Das Institut für Plastination

1993 gründete Gunther von Hagens in Heidelberg das Institut für Plastination (IfP), weil die an der Universität Heidelberg zur Verfügung stehenden räumlichen und technischen Möglichkeiten für die Plastination an ihre Grenzen gestoßen waren. Das Institut widmet sich vor allem der extrem aufwendigen und komplexen Herstellung transparenter Ganzkörperscheiben und der Plastination ganzer Körper. Ein fachgerecht präpariertes Ganzkörperplastinat erfordert immerhin einen Arbeitsaufwand von ca. 1000 bis 1500 Arbeitsstunden – ein Aufwand, den sich die meisten Institute, an denen Plastination betrieben wird, nicht leisten können.

Ziel des IfP ist es, menschliche Präparate für die Aus- und Fortbildung von medizinischem Fachpersonal sowie für die allgemeine medizinische und gesundheitliche Aufklärung der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Die Präparate dienen ausschließlich diesem Zwecke und werden nur direkt an anerkannte Lehr- und Forschungseinrichtungen sowie an naturwissenschaftliche Museen abgegeben, nicht jedoch an Privatpersonen oder Händler.

Folgende Richtlinien liegen der Arbeit des IfP zugrunde:

  1. Verbesserung der anatomischen Lehre im Allgemeinen
    Das IfP fertigt qualitativ und didaktisch hochwertige Präparate für den anatomischen Unterricht an Universitäten und sonstigen anerkannten Lehrinstitutionen.

  2. Verbesserung der medizinischen und gesundheitlichen Aufklärung der Bevölkerung im Besonderen
    Das IfP fertigt Plastinate zum Zweck der Laienaufklärung und macht die Anatomie des menschlichen Körpers der Öffentlichkeit zugänglich.

  3. Verbreitung und Weiterentwicklung der Plastinationstechnik
    Das IfP steht weltweit mit wissenschaftlichen Einrichtungen im Austausch, die selbst das Plastinationsverfahren anwenden. Von dem Know-how, das am IfP erworben und ständig weiterentwickelt wird, profitieren somit auch andere Lehreinrichtungen, die oft selbst nicht die Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung haben. Durch die wissenschaftliche Arbeit und internationalen Kooperationen mit Instituten, Gastwissenschaftlern und Stipendiaten leistet das IfP einen grundlegenden Beitrag zur ständigen Verbesserung der anatomischen Lehre und Präparation durch Plastination.

Inzwischen gibt es bereits mehr als 400 Plastinationslabors in 40 Ländern der Erde, die Plastinationspräparate für den studentischen Unterricht fertigen. Der Forschungsbedarf ist trotz der fortschreitenden Entwicklung immer noch immens, insbesondere auch auf dem Gebiet der Grundlagenforschung, wie beispielsweise der Verwendung neuer Kunststoffe. Hier steht die Farberhaltung des Gewebes sowie Verbesserungen der Plastination besonders schwierig zu konservierender Präparate, wie z. B. der Augäpfel, im Fokus.
Der alle zwei Jahre stattfindende Internationale Plastinationskongress dient dem wissenschaftlichen Austausch und bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, eigene Plastinate auszustellen, Kontakte auszubauen und sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Die "Internationale Gesellschaft für Plastination" und deren Fachzeitschrift "Journal of the International Society of Plastination" sind die Hauptforen, in denen sich Plastinationsexperten über Fortschritte der wissenschaftlichen Anwendungen austauschen. Hier werden aktuelle Fragen diskutiert wie z. B.: Wie lassen sich mit Hilfe der Scheibenplastination sehr komplexe Vorgänge wie die Blutversorgung der Handwurzelknochen aufklären? Wie sind so subtile Strukturen wie die um die Prostata verlaufenden Muskeln und Nerven aufgebaut, die für die sexuelle Potenz unerlässlich sind? – Für die präzise Planung chirurgischer Eingriffe sind solche Kenntnisse erfolgsentscheidend.